Ein Hochzeitsfotograf im Ruhrgebiet und die Preise

In Hochzeitsforen sind es die am häufigsten gestellten Fragen: „Was kostet ein Hochzeitsfotograf?“ oder „Wieviel habt ihr für den Hochzeitsfotografen bezahlt?“

Oft muss ich dann schmunzeln, weil die Frage ähnlich komplex ist wie: “Was kostet eine Mietwohnung?“ So vielfältig die Antworten sind, so verschieden die Preise. Wem hilft das?

Viele Kollegen haben darüber hinaus eine so komplexe Preispolitik, die eher abschreckend ist, als dass sie Euch klar auf einen Blick den Preis zeigt. Manchmal bekommt man auch das Angebot von Onkel Bob, Eure Hochzeit umsonst zu fotografieren.

Doch er weiß in der Regel nicht, wie man Emotionen und die Glaubhaftigkeit der Bildwirkung verstärkt. Beherrscht er die hohe Kunst des Posings? Onkel Bob hat in der Regel auch keine hochwertige Zweitkamera dabei, die im Ernstfall sofort weiterarbeitet.

Insgeheim steigt die Zahl der unzufriedenen Hochzeitspaare, die sich mit den abgelieferten Fotos einen Mehrwert versprochen haben. Es tummeln sich inzwischen zahlreiche Semiprofis auf dem Hochzeitsfotografenmarkt und bei einigen denkt man sich, mit Verlaub gesagt, die Bildqualität hätte jeder abgeliefert, ohne einen 4-stelligen Europreis abzurufen.

Jeder professionelle Fotograf hat eine eigene Handschrift, ein Wiedererkennungsmerkmal, einen Farblook. Manche Fotografen erkennt man sogar am Grünton hat ein Freund mir erzählt.

Die einen arbeiten gerne weitwinklig so wie ich, andere stehen abseits und fotografieren vorzugweise mit einem Teleobjektiv. Professionelle Fotografen kommen mit jeder Lichtsituation zurecht. In düsteren Kirchen, im grellen Sonnenschein und mit den flackernden Lichtern der DJs am Abend.

Ich empfehle Euch, die Bilder eines Fotografen unter diesen Gesichtspunkten genau anzuschauen. Wenn Euch diese Bilder dann zusagen, ist der Preis eher zweitrangig. Denn wir Hochzeitsfotografen verkaufen keine Fotos, sondern bildhaft schöne Erinnerungen an Euren wichtigsten Tag im Leben, der Tag an dem eine neue Familie gegründet wird.

Wieviel ist ein schönes Bilderalbum Eurer Hochzeit wert, wenn es eines Tages Eure Kinder in den Händen halten?

Das kostet ein Hochzeitsfotograf:

Ich kann es gut verstehen, wenn Ihr kopfschüttelnd fragt, ob das wirklich gerechtfertigt ist. 990 Euro für 8 Stunden fotografieren? Ein normaler Arbeitnehmer käme so im Monat auf 19800 Euro.

Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus! Nehmen wir mal mein Pluspaket für 990 Euro für 8 Stunden Aufnahmezeit vor Ort. Euer kompletter Fotoauftrag summiert sich dabei wie folgt:

  1. Eine Stunde für Email und Telefonate
  2. Zwei Stunden für das kostenlose Vorgespräch
  3. Eine Stunde Wartung der Ausrüstung und Verpacken
  4. Zwei Stunden in Summe für alle Fahrtzeiten
  5. Acht Stunden fotografieren vor Ort
  6. Eine Stunde Bildersicherung
  7. Zwei Stunden Bilder vorsortieren und bewerten
  8. Zwanzig Stunden elektronische Bildveredelung
  9. Vier Stunden Bilderalbum erstellen und Fotoabzüge ausarbeiten
  10. Zwei Stunden persönliche Bildübergabe

Ja richtig gerechnet – macht zusammen 43 Stunden!

 

Jetzt ziehen wir ca. 25% Einkommenssteuer und Umsatzsteuer ab, dann komme ich auf 10,30 Euro je Stunde.

Damit aber nicht genug, denn meine komplette Ausrüstung ist versichert, ich investiere in Weiterbildung für Euch, in moderne hochpreisige Ausrüstung, Bilder-Backup-Systeme, Werbekosten, Homepagepflege und auch die Handwerkskammer möchte regelmäßig Geld.

Jetzt ist der Zeitpunkt wo ich denke, dass ich nicht mal auf den gesetzlichen Mindestlohn komme!

 

Aber ich lebe meinen Traum, ich liebe den Beruf als Hochzeitsfotograf, ich stehe auf den Adrenalinkick, den die extrem hohe Verantwortung eines guten Hochzeitsfotografen mit sich bringt und ich mag die Magie an Eurem vielleicht schönsten Tag im Leben.